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Dienstag, 08.09.2009

Rüttgers Rumänen

Von Johannes Seibel

Der Autor ist Chef vom Dienst der überregionalen katholischen Tageszeitung "Die Tagespost


 Der Bundestagswahlkampf ist gnadenlos. Jeder Fehler wird bestraft – nein, nicht der inhaltliche oder konzeptionelle, sondern der der freien Rede und des Zitats. Das Netz, das die Beobachter dabei über die Politiker auswerfen, schließt sich zusehends engmaschiger um die Wahlkämpfer – die allgegenwärtige Aufmerksamkeit hält alles fest.
Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident und CDU-Wahlkämpfer Jürgen Rüttgers verfing sich gerade wieder in diesen Maschen. Sein Ausspruch bei einer kleineren Wahlversammlung in der nordrhein-westfälischen Beschaulichkeit von den Rumänen, die nicht eine ähnlich hohe Arbeitsmoral wie die Malocher im Ruhrgebiet an den Tag legten, weswegen es merkwürdig und nicht zu verstehen sei, dass internationale Investoren in Deutschland ihre Werkshallen schließen, um sie in Rumänien aufzubauen – dieser Ausspruch, mit dem sich der „Arbeiterführer“ hinter seine „Arbeiter“ im Ruhrgebiet stellen wollte, die ja übrigens nicht nur Deutsche, sondern auch Türken, Italiener, Bosnier, Serben oder Portugiesen sind, sorgte am vergangenen Wochenende damit für einen „Skandal“.


Rüttgers und die Rumänen

Von Johannes Seibel

Der Autor ist Chef vom Dienst der deutschsprachigen katholischen überregionalen Tageszeitung "Die Tagespost"
Der Bundestagswahlkampf ist gnadenlos. Jeder Fehler wird bestraft – nein, nicht der inhaltliche oder konzeptionelle, sondern der der freien Rede und des Zitats. Das Netz, das die Beobachter dabei über die Politiker auswerfen, schließt sich zusehends engmaschiger um die Wahlkämpfer – die allgegenwärtige Aufmerksamkeit hält alles fest. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident und CDU-Wahlkämpfer Jürgen Rüttgers verfing sich gerade wieder in diesen Maschen. Sein Ausspruch bei einer kleineren Wahlversammlung in der nordrhein-westfälischen Beschaulichkeit von den Rumänen, die nicht eine ähnlich hohe Arbeitsmoral wie die Malocher im Ruhrgebiet an den Tag legten, weswegen es merkwürdig und nicht zu verstehen sei, dass internationale Investoren in Deutschland ihre Werkshallen schließen, um sie in Rumänien aufzubauen – dieser Ausspruch, mit dem sich der „Arbeiterführer“ hinter seine „Arbeiter“ im Ruhrgebiet stellen wollte, die ja übrigens nicht nur Deutsche, sondern auch Türken, Italiener, Bosnier, Serben oder Portugiesen sind, sorgte am vergangenen Wochenende damit für einen „Skandal“.

Mittwoch, 02.09.2009

Warum die Politik mit ihrem "Bloß keinen Fehler machen" einen großen Fehler macht

Von Johannes Seibel

Der Autor ist Chef vom Dienst der deutschsprachigen katholischen Tagezeitung "Die Tagespost"


Bloß keinen Fehler machen. So lautet das Motto im Bundestagswahlkampf. Unterschiedliche Antworten der Parteien auf Fragen nach Steuern, Arbeitsmarkt, Familienpolitik oder Energiesicherheit spielen eine nachgeordnete Rolle. Zuerst darf dem politischen Gegner nicht die Möglichkeit gegeben werden, mit dem Finger auf einen zu zeigen.


Montag, 31.08.2009

Das bürgerliche Zukunftsprojekt

Von Johannes Seibel

Der Autor ist Chef vom Dienst der deutschsprachigen katholischen Tageszeitung "Die Tagespost".

Nach den drei Landtagswahlen vom vergangenen Sonntag stehen die Zeichen für den Rest des Bundestagswahlkampfes bis zum 27. September auf Lagerwahlkampf – eine Art negativen Lagerwahlkampf allerdings. Die Volksparteien treten nicht uneingeschränkt offensiv damit an, welches Lager sie zum Sieg führen, sondern betonen zuerst, welches sie verhindern wollen. Die SPD will alles dafür tun, dass Schwarz-Gelb nicht ans Ruder kommt, die Union – erst recht nach dem Erstarken der Linken in Thüringen und Sachsen – warnt vernehmlicher als zuvor vor Rot-Rot-Grün.

Mittwoch, 26.08.2009

Polnisch-deutsche Ideologiekritik

Von Johannes Seibel

Der Autor ist Chef vom Dienst der deutschsprachigen katholischen Tageszeitung "Die Tagespost"

 Der Zweite Weltkrieg zwischen 1939 und 1945 war ein Krieg gewesen, in dem die Ideologie die wichtigere und mehr zerstörerische Rolle als die des nationalen Interesses spielte, und in dem die Nation von einer Ideologie, die sich aus der gesellschaftlichen Auseinandersetzung innerhalb einer Nation heraus entwickelt hatte, benutzt wurde. Sich dieser Differenz bewusst zu bleiben, ist äußerst bedeutsam.

Dienstag, 25.08.2009

"Es droht keine Unregierbarkeit" - Gespräch mit Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) vor der Landtagswahl am 30. August

Von Johannes Seibel

Der Autor ist Chef vom Dienst der deutschsprachigen katholischen Tageszeitung "Die Tagespost"


Zur bevorstehenden Landtagswahl in Thüringen am 30. August hat Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) sich im Gespräch zu seinen Chancen und die der CDU geäußert.

Frage: Voraussichtlich ziehen am kommenden Sonntag CDU, SPD, Grüne, FDP, Linke und die Freien Wähler in den thüringischen Landtag ein. Droht die Unregierbarkeit?
Althaus: Nein. Wir werden die verbleibende Wahlkampf-Zeit nutzen, der Union die Gestaltungsmehrheit zu sichern. Ich bin sicher, wir schaffen das.


Das ist aber noch nicht gesichert. Würden Sie im Fall der Fälle eine Große Koalition oder eine mit den kleineren Parteien bilden?
Entscheidend ist, dass wir stark sind als Union, denn wir wollen den erfolgreichen Weg der vergangenen Jahre fortsetzen. Koalitionsspekulationen spielen keine Rolle. Es geht um die Richtung, und im Wahlkampf wird diese Richtung mit den Bürgerinnen und Bürgern diskutiert.

Donnerstag, 20.08.2009

1949, 1989, 2008 - Adenauer, Kohl, Merkel

Von Johannes Seibel

Der Autor ist Chef vom Dienst der deutschsprachigen katholischen Tageszeitung "Die Tagespost"

Angela Merkel, CDU-Chefin und Bundeskanzlerin, hat eine Lieblingszahl: die Neun. 1949, 1989, 2009, Adenauer, Kohl und nun sie selbst – die Union war und ist immer da, wenn Deutschland durch schicksalhaft stürmisches Wetter gelotst und der richtige Kurs eingeschlagen werden muss. Die CDU ist die Partei für Krisenzeiten. Die anderen können das nicht. Diese Botschaft sendet Angela Merkel beim Wahlkampf am Dienstag, 17. August, im wahrlich geschichtsträchtigen Weimar aus.

 

Montag, 17.08.2009

Müntefering im Abseits

Von Johannes Seibel

Der Autor ist Chef vom Dienst der deutschsprachigen katholischen Tageszeitung "Die Tagespost"

Franz Münteferings Zeit als Parteivorsitzender und Lenker der SPD geht vorüber. Er steht bei seinen Angriffsbemühungen im Bundestagswahlkampf oft im Abseits. Jüngstes Beispiel: Seine Schelte für Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel. Ihr sei die Zahl und das Schicksal der Arbeitslosen in diesem Land gleichgültig, weil sie nur an ihre eigene Karriere denke, grantelte der Sauerländer über die Mecklenburgerin.

Freitag, 14.08.2009

Brigitte Zypries - Königin der SPD

Von Johannes Seibel

Der Autor ist Chef vom Dienst der deutschsprachigen katholischen Tageszeitung "Die Tagespost"

Frank-Walter Steinmeier? Franz Müntefering? Andrea Nahles? - sie alle schwächeln im Wahlkampf der SPD, halten sich zurück, überschätzen sich oder werden gezähmt. Der eigentliche Motor, der die SPD am Laufen hält, heißt Brigitte Zypries, Justizministerin der Großen Koalition, was sie aber wenig schert. Zypris ist die heimliche, wenngleich unterschätzte Königin der SPD.

Donnerstag, 13.08.2009

Das Nationalgefühl am 13. August

Von Johannes Seibel

Der Autor ist Chef vom Dienst der deutschsprachigen katholischen Tageszeitung "Die Tagespost"

Der 13. August 1961 ist als Gedenktag für den Tag des Mauerbaus reserviert – wie ja die deutsche jüngere Historie nicht arm an Daten ist, die die Sündenfälle dieser Nation ins Gedächtnis rufen. Das hat eine Art negatives Nationalgefühl zur Folge.

Mittwoch, 12.08.2009

Ja, was soll Mann da noch sagen?

Von Johannes Seibel

Der Autor ist Chef vom Dienst der deutschsprachigen katholischen Tageszeitung "Die Tagespost"

Jetzt ist das, was Mann schon lange befürchtete und sich deshalb nie laut auszusprechen getraute, wissenschaftliche Gewissheit: Männer, die der Hausarbeit fronen und frönen, wirken laut einer Studie aus Oxford auf Frauen dermaßen umwerfend, dass diese sie auf der Stelle heiraten, sich mit ihnen häuslich niederlassen und Kinder haben wollen. Oder anders: Hausarbeit macht sexy.
 

Dienstag, 11.08.2009

Wo ist das Volk? oder: kein Wahlkampf nirgends

Von Johannes Seibel

Der Autor ist Chef vom Dienst der deutschsprachigen katholischen Tageszeitung "Die Tagespost"

„Wir sind das Volk“ – das war einer der unblutigen Schlachtrufe, mit dem vor 20 Jahren das Volk der DDR seine Freiheit erzwang. Es wollte sich nicht mehr im Klein-Klein des realsozialistischen Alltags einrichten, es wollte das große Ganze ändern, die neue Richtung einschlagen. Nicht Denkfabriken, Politikberater, Medienagenturen und Marketingexperten trieben die Politik auf die Spitze, sondern das Volk. Wo ist das Volk heute? Wo ist sein Selbstbewusstsein angesichts der kommenden Bundestagswahl im September?

Donnerstag, 06.08.2009

Altes von Günter Grass

Von Johannes Seibel

Der Autor ist Chef vom Dienst der deutschsprachigen katholischen Tageszeitung "Die Tagespost"

Es gibt Neues von Günter Grass. Er wird sich für die SPD im Wahlkampf engagieren, weil er eine schwarz-gelbe Koalition verhindern will, sagte der deutsche Literatur-Nobelpreisträger der „Frankfurter Rundschau“ und der „Berliner Zeitung“.

Mittwoch, 05.08.2009

Fußball ist unser Leben

Von Johannes Seibel

Der Autor ist Chef vom Dienst der deutschsprachigen katholischen Tageszeitung "Die Tagespost"

Am Freitag startet die Fußball-Bundesliga mit dem Spiel Wolfsburg gegen Stuttgart in die neue Saison. Schlagzeilen schreibt derweil anderes: Muslime sehen sich vom Vereinslied des FC Schalke 04 in ihren religiösen Gefühlen verletzt. Endlich müssen die Deutschen einsehen, dass Fußball nicht die herrlichste Nebensache der Welt ist, sondern mehr, viel mehr.

Dienstag, 21.07.2009

dpa: Tendenz statt Information

Von Johannes Seibel

Der Autor ist Chef vom Dienst der deutschsprachigen katholischen Tageszeitung "Die Tagespost"

Eine der vornehmsten Aufgaben des Journalismus ist es, die Bürger umfassend zu informieren, damit diese ihr Recht auf Meinungsfreiheit wahrnehmen können. Dafür schützt das Gesetz die Pressefreiheit. Dafür hat der Journalismus selbst ein Ethos entwickelt, das unabhängige, plurale, faire Arbeit und damit Glaubwürdigkeit garantieren will.

Donnerstag, 02.07.2009

Zu Guttenberg - der Kanzler nach Merkel

Von Johannes Seibel

Der Autor ist Chef vom Dienst der deutschsprachigen katholischen Tageszeitung "Die Tagespost"

Das hätte sich Horst Seehofer (CSU) nicht träumen lassen: Dass er da einen Neuling in der Politik aus dem Hut zaubert, und der, statt sich dafür auf alle Zeiten ehrerbietig zu erweisen, ansetzt, der Liebling aller und dabei auch noch aufmüpfig zu werden - was ja eigentlich die Rolle sein sollte, die Seehofer für sich reserviert hatte.

Mittwoch, 01.07.2009

Sterbehilfe - ein schmaler Grat

Von Johannes Seibel

Der Autor ist Chef vom Dienst der deutschsprachigen katholischen Tageszeitung "Die Tagespost"

Das Kanton Zürich will mit der Schweizer Sterbehilfe-Organisation "Exit" eine Vereinbarung über die Durchführung begleiteter Suizide abschließen, die für eine Art Rechtssicherheit von Seiten der Ärzte und der Staatsanwaltschaft sorgen soll. Daniel Beutler, Generalsekretär der Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Ärztinnen und Ärzte der Schweiz" hat das gegenüber der deutschsprachigen, überregionalen katholischen Zeitung "Die Tagespost" (Würzburg) am 2. Juli so kommentiert:

Dienstag, 30.06.2009

Die Steuerpolitik der Union

Von Johannes Seibel

Der Autor ist Chef vom Dienst der deutschsprachigen katholischen Tageszeitung "Die Tagespost"

Nun hat die Union ihr Wahlprogramm für September vorgelegt. Und Steuersenkungen versprochen - wie auch immer und wann auch immer. Sicher, das lässt sich wunderbar bemeckern.

Montag, 29.06.2009

Die Tragik Michael Jacksons

Von Johannes Seibel

Der Autor ist Chef vom Dienst der katholischen deutschsprachigen Tageszeitung "Die Tagespost"

Der Tod des Michael Jackson und die gewaltige Heldenverehrung, die jetzt weltweit um diesen Tod eingesetzt hat, zeigen eines: Das Leben des Sängers und Tänzers war tragisch. Und zwar im doppelsinnigen rhetorischen Wortsinn von tragisch, wie ihn der Philosoph Aristoteles mit den Begriffen von Mitleid und Furcht exemplarisch beschrieben hat.